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Informativ und aktuell

Neues aus der Presselandschaft

Unser Pressespiegel informiert umfassend über interessante Themen aus allen relevanten Bereichen der Wirtschaft und Politik, kurz und knapp zitiert. Ob Kommunalpolitik, Wirtschaftsinformationen oder ökologische Fragen, aktuelle Presseartikel kurz und prägnant auf den Punkt gebracht.

Foto: einblick 22/2009

WSI - Verteilungsbericht 2009
Reflex der Krise
Auf den ersten Blick scheinen die Zahlen positiv: Erstmals seit mehreren Jahren ist die Bruttolohnquote, also der Anteil der Löhne am Volkseinkommen, deutlich gestiegen - von 65 auf gut 68 Prozent. Gleichzeitig sank die Bruttogewinnquote (Anteil der Einkommen aus Gewinn und Vermögen) um vier Prozentpunkte auf 32 Prozent, wie der Verteilungsbericht 2009 des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) zeigt.
„Mit steigendem Wohlstand der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat das aber nichts zu tun", betont WSI-Leiter Claus Schäfer. Es handele sich dabei um einen „rechnerischen Reflex" der Krise. Der wirtschaftliche Einbruch habe als erstes die boomenden Vermögens- und Gewinneinkommen getroffen. Allerdings brachen nach Anrechnung von Steuern und Abgaben auch die Einkünfte der ArbeitnehmerInnen ein - um mehr als drei Milliarden Euro, so der Verteilungsbericht.
Gleichzeitig zahlten die Vermögenden wesentlich weniger Steuern, weil ihre Einnahmen geringer ausfielen. „Zudem wissen wir, dass viele Unternehmen ihre Rendite und ihr Eigenkapital im vergangenen Aufschwung kräftig aufstocken konnten", erläutert Schäfer. Diese ungleichen Voraussetzungen würden in Kombination mit weiteren Krisenfolgen, wie Lohneinbußen durch Kurzarbeit, aufgeschobene Tariferhöhungen, Verdrängung von Vollzeit- durch Teilzeitarbeit und einer steigenden Arbeitslosigkeit, zunehmend Druck auf die Lohneinkommen ausüben und sich in fehlender Nachfrage niederschlagen, prognostiziert Schäfer.
Kritisch beurteilen die Verteilungsforscher die steuerpolitischen Pläne der Bundesregierung. Die Erhöhung der Kinderfreibeträge oder die für 2011 angekündigte Einkommenssteuersenkung entlasteten vor allem Haushalte mit höherem Einkommen, obwohl diese das zusätzliche Geld eher sparten als zu konsumieren. Unterstützt wird dieses Argument vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Dieser hatte ebenfalls festgestellt, dass Steuerentlastungen schon in der Vergangenheit nicht die erhofften Wachstumsimpulse gezeigt haben. Für die Gewerkschaften ist das Ergebnis des WSI-Verteilungsbericht 2009 einmal mehr Anlass zur Kritik an der auseinanderklaffenden Schere zwischen Lohn- und Kapitaleinkünften. DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki kritisiert die anhaltend ungleiche Besteuerung von Löhnen einerseits und Gewinnen und Vermögen andererseits: „Die wachsende Einkommensund Vermögensungleichheit gefährdet den sozialen Zusammenhalt in Deutschland und schwächt die Binnennachfrage", betont er. Diese Entwicklung müsse politisch gestoppt werden, „indem über Mindestlöhne und eine sozial gerechte Steuerpolitik Menschen mit geringem Einkommen gestärkt und die Reichen zu Kasse gebeten werden", fordert Matecki.

Quelle: einblick 22/2009


Foto: Böckler Impuls 19/09

VERLAGERUNG
Unternehmen kommen zurück
Deutlich weniger Unternehmen verlagern Produktionsstätten ins Ausland als noch vor wenigen Jahren - und mittlerweile kehrt jedes dritte wieder nach Deutschland zurück. Die Welle der Betriebs-Verlagerungen ins Ausland ebbt ab: Die Quote der Unternehmen, die mit Teilen ihrer Fertigung abwandern, ist so niedrig wie seit 15 Jahren nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI). Von Mitte 2004 bis 2006 gingen 15 Prozent aller Unternehmen des produzierenden Gewerbes mit einem Teil ihrer Fabriken ins Ausland. Zwischen 2007 und 2009 waren es keine 9 Prozent mehr. Erstmals gab es keinen Anstieg in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, berichten die ISI-Forscher. Den Unternehmen gehe es in der Krise darum, die bestehenden Kapazitäten optimal auszunutzen, erklären die Wissenschaftler. Wenn verlagert wird, dann an eigene Auslandstandorte; Outsourcing an ausländische Zulieferer spiele kaum eine Rolle. Jedes dritte verlagernde Unternehmen holt nach einiger Zeit die Fertigung wieder nach Deutschland zurück, von den kleineren Unternehmen sogar jedes zweite, beobachtet das ISI. Diese Firmen haben häufig die Lohndynamik in den Ländern unterschätzt, sagt der Forscher Steffen Kinkel. Ein zentrales Motiv für Verlagerungen sei, die Personalkosten zu senken - doch in schnell wachsenden Volkswirtschaften steigen eben auch die Lohnkosten zügig. Die neuen EU-Staaten hätten darum als Verlagerungsziel merklich an Attraktivität verloren. Eine wichtige Ursache für Rückverlagerungen sind auch Probleme, am neuen Standort die gewohnte Qualität zu erzielen.
* Quelle: Steffen Kinkel, ISI: Produktionsverlagerung in Zeiten der Krise, Vortrag am 16. November 2009 in Düsseldorf

Quelle: Böckler Impuls 19/09

Foto: Böckler Impuls 19/09

ARBEITSBEDINGUNGEN
Leistungspolitik stresst Belegschaft
In Deutschlands Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren eine neue Leistungspolitik ausgebreitet - und mit ihr Zeitdruck und seelische
Belastungen.
Hektik, Überlastung und die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes - solche Stressmomente sind in Unternehmen inzwischen weiter verbreitet als körperliche Belastungen. Selbst in Firmen mit einem hohen Anteil gewerblich Beschäftigter machen den Belegschaften vor allem psychische Probleme zu schaffen, berichtet Elke Ahlers.* Die Arbeitswissenschaftlerin hat eine WSI-PARGEMA-Befragung von über 1.700 Betriebsräten zu Gesundheitsproblemen am Arbeitsplatz und den Ursachen ausgewertet. Dauerhafter Arbeitsdruck sei nicht mehr nur eine Angelegenheit der Führungskräfte. Er habe inzwischen den Kern der Belegschaft erreicht und erfasse vor allem mittlere Angestellte mit Fachausbildung. So arbeiten in 84 Prozent der Betriebe manche Beschäftigte ständig unter hohem Zeit- und Leistungsdruck; in 43 Prozent gilt das sogar für große Teile der Belegschaft. Von starken körperlichen Belastungen berichtet dagegen nur jeder fünfte Arbeitnehmervertreter. Laut ihrer Studie erklärten 79 Prozent der Betriebsräte, dass die seelischen Belastungen in den vergangenen drei Jahren zugenommen haben.
Die neue Leistungspolitik. Die Antworten der Arbeitnehmervertreter geben auch Aufschlüsse über die Gründe für zunehmenden Stress. In den Unternehmen habe sich in den vergangenen Jahren eine neue Leistungspolitik etabliert, die das Entstehen von Arbeitsdruck und Stress erheblich fördere, erklärt Ahlers. Die Ergebnisse der Betriebsrätebefragung belegen erstmals, wie weit das Instrument der Zielvereinbarungen inzwischen in den Firmen verbreitet ist: In 39 Prozent der befragten Betriebe schließt der Arbeitgeber nicht nur mit einzelnen Führungskräften, sondern mit jedem Beschäftigten oder zumindest mit jedem mittleren Angestellten eine solche Vereinbarung ab. Die Beschäftigten werden auf Erfolgskriterien wie Kundenzufriedenheit oder Umsatz verpflichtet - und oft handelt es sich dabei um einseitige Vorgaben.
Wo Zielvereinbarungen gängig sind, da sprechen die Arbeitnehmervertreter deutlich häufiger von psychischen Belastungen. 79 Prozent berichten von Zeitdruck, 57 Prozent von besonders hohem Arbeitsvolumen, 37 Prozent von mangelnder Planbarkeit der Arbeit. All diese Werte liegen mindestens zehn Prozentpunkte über dem Durchschnitt aller Betriebe. Außerdem arbeiten Beschäftigte mit Zielvereinbarungen besonders häufig übermäßig lange und unterlaufen Regeln zum Schutz der Gesundheit. Jeder vierte Beschäftigte mit Zielvereinbarung bleibt bei Krankheit nicht zu Hause. In mehr als der Hälfte der Betriebe kommen zudem Instrumente wie intensives Controlling zum Einsatz oder werden so genannte Profitcenter geschaffen. Diese Veränderungen können dazu führen, dass in den Belegschaften ein individuelles Leistungsdenken die betriebliche Solidarität verdrängt, warnt die Studie. Ahlers nennt ein Beispiel: Fast jeder dritte Arbeitgeber klassifiziert seine Belegschaft nach der Leistungsfähigkeit und verwendet dafür Begriffe wie „High-Perfomer", „Low Performer" oder gar „Mindestleister". Solche Kategorien wirkten als Bedrohung und verstärken den Leistungsdruck.
Grenzen des Arbeitsschutzes. Die seelischen Lasten nehmen zu, doch es gibt kein ausreichendes Gegengewicht. Der Arbeitsschutz habe „hinsichtlich der psychischen Arbeitsbelastungen deutliche Umsetzungsdefizite", schreibt die Forscherin. Die Regeln zum betrieblichen Gesundheitsschutz verlieren in der Praxis an Bedeutung, die traditionellen Gegenmittel stoßen an ihre Grenzen. So müssen sich die Unternehmen seit 1996 mit den Arbeitsbedingungen befassen und so genannte Gefährdungsbeurteilungen erstellen - um herauszufinden, ob und wie der Arbeitsalltag der körperlichen und seelischen Gesundheit der Beschäftigten schaden kann. Doch nur 56 Prozent der Betriebe verfassen eine Gefährdungsbeurteilung. Und wo es geschieht, werden regelmäßig die psychischen Belastungen weggelassen. Für die seelische Beanspruchung wichtige Faktoren wie zu knappe Zeitvorgaben, ständig störende Unterbrechungen und schlechtes Führungsverhalten fallen dabei weg.
* Quelle: Elke Ahlers: Arbeit und Gesundheit - aktuelle Daten aus den Betrieben in Zeiten stetiger Effizienzsteigerung und betrieblicher Umstrukturierung, erscheint demnächst in einem Abschlussband des
Forschungsprojektes PARGEMA (Partizipatives Gesundheitsmanagement

Quelle: Böckler Impuls 19/09

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